Wandern vom Feinsten

 

Der Berliner Höhenweg

(Zillertaler Runde)

 

 

Es sollte mal wieder ein Höhenweg sein, so eine Überlegung im Winter, denn zu dem Zeitpunkt ist man weit weg von den Anstrengungen des Wanderns. Da fällt solch eine Entscheidung leicht. Also im Internet schnell mal gesucht und der Berliner Höhenweg oder auch Zillertaler Rund genannt, schien das Richtige zu sein. Es soll eine anspruchsvolle Runde für geübte Wanderer in hoch Alpinen Gebiet sein. Dabei wird durch den Zillertaler Hochgebirgs-Naturpark gewandert, wo Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Voraussetzung sind, wobei einige Passagen mit Seilen gesichert, hierbei aber keine Kletterausrüstung wie Gurt und Helm benötigt wird. Zudem sorgen Alpenvereinshütten auf den Etappen für Unterkunft und Versorgung. Insgesamt Ideale Voraussetzung für einen acht Tage Hike.

Anfang August 2026. So wurden die Sachen gepackt und ins Zillertal gefahren, Auto abgestellt und mit der Zillerbahn bis mach Mayrhofen. Von da bin ich durch den Ort und über Finkenberg zum Start des Wanderwegs zur Gamshütte gewandert. Zwischen durch noch schnell eine Zimtschnecke gekauft, die ich drei oder vier Tage später im Rucksack wiederfand aber so etwas vergisst man schnell im Rucksack, wenn es einige hundert Meter bergan geht. Da ist bei heißem Wetter eher die Trinkflasche gefragt. Der Weg führte sehr angenehm, aber dennoch anstrengend durch den Wald zur kleinsten Hütte auf dem Weg. Die Hütte war gemütlich, gut und bescherte einen angenehmen Aufenthalt. Die Außendusche mit kaltem Wasser, was noch öfter vorkommen sollte, war zumindest sehr erfrischend bei toller Aussicht.

Am kommenden Tag ging es weiter zum Friesenberghaus, ca. 9 Stunden Weg mit 1100 Hm hoch und 540 Hm runter. Er führte oft auf schmalen Pfaden entlang des Hangs, aber immer mit einer atemberaubenden Aussicht. Da am Nachmittag noch die Wahrscheinlichkeit von Regen bestand, wurde auf zu lange Pausen verzichtet. Die Friesenhütte war voll bis auf den letzten Platz, aber bei Regen und Gewitter nach der Ankunft mehr als gemütlich.

An der Olperhütte am folgenden Tag, mit einem im Internet am meist geklickten Bilder Österreichs, der Hängebrücke mit dem Schlegeisspeicher im Hintergrund ging es vorbei.

Beim Abstieg zum Speichersee kamen einen dementsprechend dann Massen von Touristen entgegen. Bei mir ging es weiter am See entlang rauf zum Furtschaglhaus. Eine recht einfache Etappe. Auch hier kam der Regen etwas später als ich an der Hütte an, Glück gehabt.

Beim weiteren Weg zur Berliner Hütte ging es hoch zum Gipfel des Schönbichler Horn auf 3134m, da sollte es Steil Bergab in Richtung Berliner Hütte gehen. Die Obere Passage rund um den Gipfel ist dabei Seil gesichert, was auch gut ist, denn die ersten Meter im Abstieg gehen fast senkrecht runter. Anschließend noch einiges auf einen Grad entlang bevor es flacher wird. Die Berliner Hütte ist schon sehr früh zu sehen, doch bis man dort ist, oh, da vergeht noch einige Zeit des Abstieges immerhin rund 1000Hm und anschließend etwas wieder hoch. Die Berliner Hütte, die größte des Weges ist wohl auch das Aushängeschild.

Die Preise für die Hütten, Lager (nicht Alpenvereinsmitglied) Halbpension und noch ein, zwei Getränke und eventuell ein Stück Kuchen am Nachmittag sollten immer mit etwa 100,00 € kalkuliert werden. Je nach dem, lassen sich dabei natürlich auch noch ein paar Euro sparen, günstig ist es halt nicht, da die meisten Speisen und Getränke per Seilbahn auf die Hütten kommen.

Auch der weitere Weg zur Geizer Hütte ist fordernd. Hierbei geht’s auch gleich bergan zur Mörchenscharte mit einem schönen Ausblick. Dem Weg folgend geht es über einen flachen Grad wieder einige hundert Meter bergab. Nach jeder Pause die ich mache, brennen mir beim Aufstehen erst einmal die Füße und die Glieder müssen erst einmal wieder sortiert werden, ich glaube so fühlt man sich im Alter von 105 Jahren. Aber nicht das zählt es ist die Aussicht, denn von Anfang an, sie ist grandios. Auf der zweiten Hälfte mit dem blicken auf die Reste der Gletscher und den schroffen Berge spitzen Klasse.

Die Geizer Hütte und wieder hatte man über 1000 Hm rauf und runter gemacht, lud mit einem kleinen Pool gespeist direkt aus den Bergen zum waschen ein, da keine Duschen vorhanden waren. Den Rest des Tages dann bei strahlenden Sonnenschein mit fantastischer Aussicht auf der Terrasse genießen, eine bleibende Erinnerung.

Heute, hinüber zur Kassler Hütte ist eher mal ein Entspannungstag. Hierbei sollte dennoch nicht die Konzentration verloren gehen, denn ein Ausrutscher oder Fehtritt kann hier gravierend Folgen haben. Aber die Sonne schien und es lief fast von alleine. Ab und zu sieht man die anderen Wanderer, ein paar Worte und man trifft sich auf der Hütte wieder. Auch hier Speis und Trank gut, heute Nacht war sogar das Lager neben mir mal nicht belegt, was selten mitten im Sommer vorkommt. Am anderen Morgen, um 6:30 Uhr sollte es Frühstück geben, doch es war nichts zu sehen? Wurde hier verschlafen? Aber Punktgenau wurde eine Tür aus den Angeln gehoben und das Buffet war im Nebenraum komplett aufgebaut, starke Sache.

Der Pfad zur letzten Hütte, mit 9 Stunden Wanderzeit angegeben war noch mal eine Tagesetappe von der härteren Seite. Es musste sehr viel über Geröllfelder mit größeren Felsbrocken gewandert werden. Hierbei immer auf der Suche nach dem angenehmsten Weg und wo ist der Gripp der Schuhe ausreichend und wohin geht der nächste Schritt. Die zwei Seilsicherungen erwiesen sich als sinnvoll aber doch entspannt. Die Hütte musste näher kommen zwar man sie nicht sehen konnte, eine schöne Beruhigung. Und dann war sie da, auf einem Bergkamm stehend, lag sie nahe unterhalb, fast geschafft, noch die paar Meter gut überstehen und die letzte Hütte, die Karl-von-Edelhütte ist erreicht. Hier war dann nicht viel los, da sie sich mehr, wegen der nahen Bergbahn, auf Tagesbesucher eingestellt hat und die waren schon weg. Hier waren die fünfer Franzosengruppe, das Sportstudentenpärchen aus Köln und Mutter mit erwachsener Tochter die einzigen die mit mir den kompletten Weg gegangen sind. Darüber hinaus nur noch drei, vier Kleingruppen. Ein entspannter ausklang, denn man nächsten Morgen solle es bei mir nur noch die Stunde zur Ahorn Seilbahn gehen und mit ihr nach Mayrhofen einschweben. 

Den Abstieg zu Fuß habe ich mir erspart, da es doch ganz schön auf die Knie geht und bei mit am nächsten Tag schon wieder Mountainbiken im Vinschgau anstand.

Eine rundum gelungene Wanderung die meine Erwartungen weit übertroffen hat. Die Perlen zu finden ist halt nicht immer Einfach und das war gewiss eine. Durch die begrenzte Anzahl von Bette auf den Hütten, ist halt der Weg auch glücklicherweise nicht zu überlaufen.